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Der traditionelle Schamanismus
Der Begriff "Schamanismus", wie er heute in der westlichen Gesellschaft gebräuchlich ist, wurde durch Mircea Eliade, einem rumänischen Religionswissenschaftler, bekannt. Seine Forschungen bezogen sich grossenteils auf den tuvinischen Schamanismus. 
Der tungusische Begriff šaman=der Wissende stammt aber eventuell aus dem Sanskrit, wo die Bettelmönche und Asketen "Shramanas" genannt werden.

Der Begriff "Schamanismus" wurde ursprünglich also nur in einem begrenzten Gebiet verwendet. Das, was mit dem Begriff bezeichnet wird, hat jedoch universellen Charakter und lässt sich überall auf der Welt finden.

Michael Harner war einer der ersten Anthropologen und Schamanismusforscher, die nicht nur "objektive" Forschung betrieben, sondern den Schamanismus am eigenen Leibe erfahren wollten. Er fand und veröffentlichte die fundamentalen Prinzipien der schamanistischen Praxis, die bei allen indigenen Völkern im Eigentlichen dieselbe ist:
         




Schamanen suchen absichtsvoll veränderte Bewusstseinszustände auf, um „Reisen” in andere Wirklichkeiten zu unternehmen. Ihre Absicht ist dabei, ihrer Gemeinschaft zu helfen.
                                                         Michel Harner 
Schamanen gelten in ihrer Gesellschaft als VermittlerInnen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits.
Nach allgemeiner indigener Überzeugung können Menschen spontan – auch gegen den eigenen Willen - zum Schamanen berufen werden oder sich dieser Aufgabe aus eigenem Willen stellen.  Das Wissen wird dabei entweder durch Blutsverwandte vererbt oder der neue Schamane wird durch einen (Ahnen-)Geist bestimmt und belehrt.
Der "neue" Schamanismus
Auch ausserhalb der akademischen Welt erlebt der Schamanismus heute einen gewaltigen Boom.Woher rührt dieses grosses Interesse auf einmal?
 
Viele Jahre sind wir davon ausgegangen, dass die Hoffnung der Menschheit auf ein besseres, sichereres, angstfreieres Leben in der Zukunft liegt - in neuem, grösserem Wissen und noch besserer Kontrolle über die Natur. Wir wähnten uns - wähnen uns immer noch -, als Herrscher über die Schöpfung. Dabei vergassen und vergessen wir gerne, dass wir selber bloss Teil dieser Schöpfung und ihr demzufolge unterworfen sind.
In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben wir jedoch gewaltige Ereignisse und Veränderungen miterlebt, die sich grossenteils der menschlichen Kontrolle entziehen.
Viele von uns wissen, dass wir der immer schneller fortschreitenden Klimaerwärmung ziemlich machtlos gegenüber stehen. Wir realisieren allmählich, dass der von uns erzeugte Elektrosmog neue Krankheiten bei Mensch, Tier und Pflanze hervorrufen kann, und wir erleben wie Medikamente, Insektizide, Nahrungszusätze und weitere menschliche Erfindungen unser Leben mindestens so stark gefährden wie sie es eigentlich erhalten und verbessern sollen.
Auch in persönlichen Dingen erleben wir häufig unsere Machtlosigkeit, sei es der Verlust einer Arbeitsstelle, Krankheit, psychische Probleme.
Das Vertrauen, das wir früher in Autoritäten wie Kirche, Staat, Wissenschaft, Medizin gesetzt haben, beginnt zu bröckeln.
Es ist noch nicht so lange her, dass wir von primitiven Völkern sprachen und ihre Rituale und Bräuche zum Aberglauben erklärten. Nun findet allmählich ein Umdenken statt. Wir beginnen wieder zu erkennen, dass diese Völker - im Gegensatz zu uns - den harmonischen Umgang mit der Natur pflegten. Sie "schwammen mit dem Fluss" und kannten die Kunst, seine Kräfte für sich zu nutzen ohne sie zu manipulieren.
Ich glaube, dass die meisten Menschen, die sich heute dem Schamanismus zuwenden, genau diese Kunst wieder erlernen wollen.

Es geht nicht darum zurückzuschreiten und die Vergangenheit oder andere Kulturen zu verherrlichen. Es geht darum, zu einer neuen - weniger egoistischen - Sichtweise der Dinge zu gelangen, Zusammenhänge zu erkennen und in Einklang zu kommen mit dem, was ist.